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Auch wenn der Reinhardswald romantisch und wild zugleich wirkt, so ist er doch ganz und gar Kulturwald, gewachsen unter dem wachsamen Auge der zuständigen Regenten bzw. Behörden. Es ist beileibe kein Zufall wie die Bäume stehen, der Nutzen steht und stand im Vordergrund. Früher mitunter war dieser ein anderer. So wurden zur Zeiten der Hutewälder große Schweineherden in den Wald getrieben um sich an Eicheln fett fressen zu können. Ebenso dienten große Freiflächen als Weideland für andere Haustiere. Der Wald war dementsprechend licht mit einer Anzahl an Huteeichen die auch heute noch zum Teil zu bewundern sind. Ab dem 16. Jahrhundert gewann die Fischzucht an Bedeutung, deren Spuren ebenfalls noch sichtbar sind. So sind ausnahmslos alle stehenden Teiche von Menschenhand aufgestaut und keineswegs natürlichen Ursprungs, auch wenn diese kleinen Seen mitlerweile wie in den Wald hineingewachsen aussehen mögen. Heutzutage steht die Holzgewinnung wieder im Vordergrund. Holz war aber auch gerade in früheren Zeiten ein extrem begehrter Rohstoff und dementsprechend gab es verschiedene Rodungsperioden im Reinhardswald. Nicht nur zum Hausbau oder zur Wärmegewinnung wurde geschlagen, auch zur Glas- oder zur Stahlgewinnung, ganz zu schweigen von den Köhlereien, wurden enorme Mengen benötigt. Dies hatte zur Folge dass die Bäume Ende des 18. Jahrhunderts allmählich knapp wurden. Interessenskonflikte waren unausweichlich und so wurde begonnen sogenannte Fichtenklumpse großflächig anzupflanzen. In einen Ring aus schnell wachsenden Fichten wurde meiste eine Eiche gepflanzt. Diese Ringe wiederum wurden meist in einer Dreiecksformation gesetzt. Dadurch war es weiterhin möglich den Wald als Weideplatz für Haustiere zu nutzen, Schweine am Mittelbaum zu mästen, der Rohstoff Holz wuchs nach und auch die Jagd war möglich durch die Freiflächen. 1866 wurde diese Art der Forstwirtschaft durch die Preussen wieder beendet. Die Gefahren der heutigen Forstwirtschaft liegen in der Monokultur Fichte, die den Wald anfällig macht für Schädling und Sturmschlag.
Von sich aus würde sich der Reinhardswald wohl zu einem fast reinen Buchenwald entwickeln, doch durch Zutun des Menschen gibt es nicht nur Buche Fichte und natürlich Eiche, sondern auch kleine Birkenhaine, Lärchenschonungen, sowie Kieferngehölz. Es sollte meiner Meinung nach ein großer Augenmerk auf den Erhalt dieser Baumvielfalt gelegt werden, denn solche Mischwälder sind in der Regel die gesündesten. Ebenso darf nicht unter kurzfristigen finanzpolitischen Gründen die Wiederaufforstung zurück gestellt werden, denn den Profit würde man letztlich nur zu Lasten der nächsten Generation erhalten.
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